»Ha, ha, der Arche-Roller! Ha, ha, ha!«

Eine »ketzerische« Buchbesprechung

12.7.2014

Ich bin mir nicht sicher, wieviele Menschen es überhaupt gibt, die sich einen 100-minütigen »Ketzerpodcast« anhören. Da sich aber eine längere Passage der Ausgabe 29 meinem Buch »Das Rätsel der Arche Noah« widmet, habe ich mir die Sache natürlich vorgenommen.

Dankeschön: Eine Buchbesprechung im Ketzerpodcast.

Zunächst geht man auf die Vorgeschichte ein: Den Stein ins Rollen brachte nämlich ein Beitrag auf »Atheist Media Blog«, wo man auf mein Interview mit dem Pro-Medienmagazin verwies und sich genüsslich darüber lustig machte. Ich habe mich in die Diskussion eingeschaltet, einige Informationen eingebracht und auf Inhalte meines Buch verwiesen, was mir prompt als Schleichwerbung ausgelegt wurde. Nach einigem Hin und Her hat dann »der Admiral« das Buch bestellt und versprochen, es im seinem »Ketzerpodcast« zu besprechen. Das war am 10. April, also vor drei Monaten.

Jedem Leser meines Buches wird in seiner Besprechung sicherlich auffallen, dass »der Admiral«, der sich auf der Podcastseite als Christian Schindelhauer vorstellt, in dieser Zeit wohl nur in der Lage war, es sehr oberflächlich zu lesen. Er ist wohl Informatikprofessor in Freiburg, daher sei ihm dies zugestanden.

Der Professor findet, mein Buch sei nicht wissenschaftlich, die Literaturrecherche sei nicht ordentlich und es sei genauso wenig Abenteuerbericht. »Es ist auch nicht sehr gut geschrieben und es ist eigentlich wissenschaftsfeindlich, den Wissenschaft wird völlig außen vor gelassen«. Ich würde einen Wissenschaftler von Wort und Wissen zitieren – dies sorgt dann gleich bei den Gesprächspartnern Matthias und Philippe für die ersten Lacher und wird zum Anlass genommen, zunächst einmal die Studiengemeinschaft zu kritisieren.

Zurück bei meinem Buch fassen sie meine Absicht so zusammen: Ich sei Christ und deswegen müsse ja die Arche existiert haben. Mein »Haupttrick« sei, ich ließe das andere sagen und trete nur selten mit meinen eigenen Überzeugungen »hinter dem Vorhang hervor«. Und ich dachte immer, es gehöre zu wissenschaftlichem Arbeiten, dass man seine Erkenntnisse mit Zitaten untermauert. Aber gut, eine wohlwollende Kritik kann man von selbsternannten Ketzern auch nicht erwarten.

Immer wieder von bemühten Lachanfällen durchsetzt, wird erzählt, dass ich mit den Ararat-Forschern hart ins Gericht ginge, aber bei meinem eigenen »Lieblingsberg« Cudi diese kritische Vorgehensweise vermissen ließe.

Der Rezensent bemerkte, als er sich »durch das Buch durchgeärgert« hat, dass Josephus zu meinen Hauptargumenten gehört, findet dies aber zweifelhaft. Meinen Vergleich zwischen Bilbo Beutlin und Noah, an dem ich aufzeige, dass viele Zeitgenossen beide als Fantasyfiguren sehen, hat er so aufgefasst, dass ich auch Bilbo für eine reale Figur halte (!) und macht sich verständlicherweise lustig darüber. Genaueres Lesen hätte hier geholfen.

Dann hätte er auch schon nach dem ersten Kapitel gewusst, dass ich eben nicht »auf diesen Berg Cudi geklettert« bin; später hätte er gelesen, dass Friedrich Bender nicht nur ein »Privatmann« war, der sich in den 80er Jahren (es war 1954) für die Arche Noah interessiert hat. Ich habe ihn auch nicht zur Ikone stilisiert, wie er einem der Bilder entnehmen will, sondern habe von meinem Besuch seiner Witwe erzählt und seine Erkenntnisse und Gedanken wiedergegeben und aufgegriffen.

Soviel zum Thema »gründliche Literaturrecherche«!

Mein Buch sein »ein Anschlag auf den gesunden Menschenverstand« und anhand einiger Fragen an die Sintflut, die die plaudernden und witzelnden »Ketzer« aufzeigen, kommen sie zum Schluss, »dass es die Arche deswegen gar nicht gegeben haben kann.« Ich hatte schon zuvor erklärt, dass Ungläubige so denken (müssen), wie dieses Zitat aus dem ursprünglichen Pro-Interview belegt:

»Wenn wir davon ausgehen, dass die Erdgeschichte tatsächlich so lang ist, wie heute gesagt wird, und wenn wir die Evolution zu Grunde legen, dann wird es wirklich schwierig, einen Platz für eine weltweite Sintflut und die Arche zu finden. Aber wenn wir einen Blick in die Überlieferungen werfen, bezeugen sie ganz klar, dass es Noah gab.«

Meine Argumentation funktioniert eben anders herum: Die historischen Belege, dass eine Arche und die Sintflut existiert hat, sind so vielfältig und in ihrer Summe überzeugend, dass ich aus diesem Grund eine Antwort auf die Frage suche: Wenn es die Arche offensichtlich gab, wie gehen wir dann mit all den Fragestellungen um?

Aber meine Ausführungen dazu hat Professor Schindelhauer wohl ebenfalls nicht gelesen oder sie vielleicht pauschal als unwissenschaftlich verworfen.

Somit hat er das Buch nur durchgesehen, um seine Vorurteile bestätigt zu finden, und ich wünsche mir, dass er wenigstens die oben angesprochenen sachlichen Fehler korrigiert, bevor er schriftlich – wie angedroht – seine Ein-Sterne-Rezension bei Amazon einstellt.

Zum Einstieg in die Buchbesprechung zitiert der Professor einen Satz aus meinem Kommentar im Atheist Media Blog: »

Es gibt Anzeichen dafür, dass es die Arche tatsächlich gab. Diese Anzeichen mit der Formel abzuschmettern:›Das kann nicht sein!‹ greift ein wenig zu kurz.« – Es ist seltsam, das aber genau dieses Argument wieder am Ende der von albernen Lachern durchsetzten Buchbesprechung steht: Es kann einfach nicht sein!

Timo Roller

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