Eugens Balken der Arche Noah

Aus dem Reisetagebuch »Türkei total 2014« – Teil 1

11.7.2014

Detlev Simon war einer der ersten Leser meines Buches »Das Rätsel der Arche Noah«. Er war nun zusammen mit seiner Frau in der Türkei mit dem Motorrad unterwegs. Dabei hat er Ende Mai das Kloster Mor Augen besucht, das im Zusammenhang mit der Arche Noah eine Rolle spielt. Näheres dazu im Buch ab S. 106. Ein Balken an der Decke des Klosters soll von der Arche Noah stammen. Der komplette Bericht dieser und anderer Reisen ist auf der Internetseite www.simplesimon.de zu finden. Wiedergabe auf www.noah2014.com mit freundlicher Genehmigung. Detlev Simons Rezension meines Buches findet sich auf Amazon.

Das Kloster Mor Augen

»Heute sollte es von Tarsus weiter Richtung Osten gehen. Als nochmaligen Zwischenstopp hatten wir uns das wuselige Şanlıurfa (kurz Urfa) ausgeguckt. […] Schnell Quartier bezogen, die Abendsonne für ein paar Fotos genutzt, dann zum »Berber«, um mir Bart und Haupthaar stutzen zu lassen, etwas essen und ab ins Bett.

Am nächsten Morgen zeitig los, denn die heutige Etappe soll lang werden. Wir bevorzugen kleine, kurvige Sträßchen, aber um Strecke zu machen, kommt uns die mittlerweile gut ausgebaute Straße zwischen Urfa bis hinter Midyat entgegen; tatsächlich können sich selbst unsere besseren Autobahnen von diesen hiesigen Schnellstraßen mittlerweile eine Scheibe abschneiden.

Kurz hinter Nusaybin steuern wir das antike römische Dara an – unspektakuläre Ruinen, erwähnenswert vielleicht nur, dass die Stadt das erste nennenswerte Wasserversorgungssystem Mesopotamiens besaß. Zwei kleine Mädchen machen sich an [meine Frau] Rendel ran, freundlich und unaufdringlich, erst ganz zum Schluss bitten sie zögerlich um etwas Geld – über die paar Lira freuen sie sich sehr und bedanken sich artig.

Ausblick auf die mesopotamische Ebene

Nicht ganz am Wegesrand, aber schon länger auf unserer Liste: das Kloster Mar Augen, südöstlich von Midyat gelegen. Diese Gegend wird als »Tur Abdin« bezeichnet, als »Berg der Knechte Gottes«. Einige der hier angesiedelten aramäischen Klöster und Kirchen haben wir in den Vorjahren schon besichtigt. Mar Augen (oder Mar Evgin = Eugen, Eugenius, Jewgenij oder englisch Eugene) liegt von der Straße ab oben in den Bergen und überblickt die mesopotamische Ebene bis weit nach Syrien. Es gilt als das älteste der hiesigen Klöster, von dem aus dann die weiteren Gründungen und die Missionsarbeit ihren Ausgang nahm. Vom Gründer und Namenspatron Eugen ist überliefert, dass er ursprünglich aus der Gegend vom Roten Meer stammte, wo er als Perlenfischer gearbeitet hat; das Kloster soll er im Jahr 340 gegründet haben.

Nachdem wir den Klosterkomplex, der sich Ton in Ton an die umgebende Landschaft anpasst, entdeckt haben, sind es noch etliche Serpentinenkilometer bis dort. Begrüßt werden wir zunächst von einem Arbeiter und seinen Pferden. Diese sind mit Tragegestellen bestückt, auf denen sie Felsbrocken hinauf zum eigentlichen Kloster schleppen. Dort angekommen – nassgeschwitzt bis auf die Knochen – heißt uns Bruder Yoken willkommen, übergibt uns aber gleich an einen jungen Mann von vielleicht achtzehn, das jugendliche Alter wird durch seine Zahnspange unterstrichen. Vorteil ist aber, dass er deutsch spricht, denn er kommt – us Kölle!

Aus einer aramäischen Familie stammend hat er die Schule geschmissen und prüft hier für zwei Jahre seine Berufung zum Priester. Die aramäische Sprache ist ihm von Kind auf geläufig, die Schrift lernt er nun hier in der Einsamkeit. (Neben ein paar Bauarbeitern und Bruder Yoken sowie den ganz wenigen Besuchern trifft man hier praktisch niemanden. Lediglich die sehr kleine Gemeinde, die sich hier hin und wieder versammelt, bringt ein wenig Leben in die Abgeschiedenheit.) So ist er froh, mal etwas deutsch sprechen zu können. Freundlich, kundig und etwas schüchtern zeigt er uns die herrliche Anlage.

Von weitem kaum sichtbar: Das Kloster fügt sich in die Landschaft ein.
Priester Yoken packt mit an.

Zum Abschluss gesellt sich noch Bruder Yoken zu uns, der uns Tee, kaltes Wasser (manchmal eine wahre Köstlichkeit!) und Waffeln kredenzt. Er scheint ein echter Einsiedler zu sein, aber ohne die zwischenmenschlichen Fähigkeiten verloren zu haben, auch sonst ist er wohl recht lebenstüchtig – während wir uns das Kloster zeigen lassen, schuftet er in der sengenden Sonne zusammen mit den Arbeitern bei der Pflasterung des Innenhofs. Wir tauschen uns noch ein wenig aus, insbesondere über die schwierige Situation der Christen in dieser Gegend (Stichwort: die Enteignungen der Ländereien des Klosters Mor Gabriel).

Dann befiehlt er uns dem Segen Gottes an und wir quälen uns in der Nachmittagssonne wieder der Hauptstraße entgegen, das Thermometer zeigt mittlerweile bis zu 34°C. Dort geht es viele Kilometer buchstäblich direkt an der syrischen Grenze entlang, der erste Grenzzaun zum Niemandsland hin verläuft fünf Meter neben uns im Straßengraben – jenseits tobt der fürchterliche Bürgerkrieg.«

Klosterkirche Mor Augen: Der schwarze Balken soll von der Arche Noah stammen.

Zwei Tage darauf haben Detlev und Rendel Simon das Dorf Sah am Fuße des Berges Cudi besucht. Davon handelt demnächst der zweite Teil.

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